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Altruismus - © Joseph Helfenberger - Fotolia.com
Altruismus - © Joseph Helfenberger - Fotolia.com

Alles für die Gruppe?  

Das Sozialverhalten in der Steinzeit und heute

Das menschliche Gruppenverhalten wurde bereits in der Steinzeit in seine heutigen Bahnen gelenkt. Eine Abspaltung von der Gruppe war seinerzeit gleichbedeutend mit dem Tod. Das raue Klima ist zwar vorüber, die Spuren allerdings noch nicht verwischt.

Keine Kosten ohne Nutzen - Altruismus für alle!

Das ungeschriebene Gesetz von Leistung und Gegenleistung förderte den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe. Dieser so genannte „reziproke Altruismus” der Menschen entwickelte sich, wissenschaftlichen Theorien zufolge, aus dem Brutpflegeverhalten. Doch warum tun wir etwas, das uns selbst weniger Nutzen bringt? Wenn es um den Fortbestand geht, heißt es doch üblicherweise immer „Recht des Stärkeren”, oder? Der britische Biologe William D. Hamilton konnte hierfür eine Erklärung geben, geht es schließlich nicht um den Vorteil für ein einzelnes Individuum, sondern vielmehr um einen Vorteil für die Weitergabe der Gene. Und dafür muss man sich - so Hamilton - auf die Gesamtfitness einer Gruppe beziehen. Vereinfacht gesagt: Wenn man sich nicht selber um ein langes Fortbestehen kümmert, dann soll man wenigstens dafür sorgen, dass dies anderen Lebewesen beschert wird, die das gleiche Gen in sich tragen. Hamilton stellte hierfür eine eigene mathematische Formel auf, die in ihrem Wesen ein klassisches Kosten-Nutzen-Kalkül war.

Wer also innerhalb einer sozialen Gruppe anderen etwas Gutes tut ohne unbedingt auf seinen eigenen Vorteil aus zu sein, mag vielleicht auf den ersten Blick selbstlos erscheinen. Fakt ist, dass durch dieses „altruistische“ Verhalten die Gesamtfitness jener Gruppe verbessert wird und ein weiterer Fortbestand damit ganz gute Karten hat. Offensichtlich uneigennütziges Verhalten wird von den anderen auch attraktiver aufgenommen. Dies hat zur Folge, dass „beliebten” Mitgliedern einer Gruppe auch in Rangkämpfen die Unterstützung der anderen sicher ist. Die Früchte des Altruismus sind ganz schön süß.

Help the aged

Spuren einer solchen steinzeitlichen Nächstenliebe, die vor 500.000 Jahren stattgefunden haben muss, fanden Forscher im spanischen Atapuerca-Gebirge. Hier kam bei Ausgrabungen ein Skelett zum Vorschein, das den Forschern einige Fragen aufgab. Wie konnte dieses Individuum mit dem Wirbelsäulenschaden und der Arthrose in den Club der Steinzeit-Methusalems aufsteigen? Ohne zu verhungern? Man war sich schließlich einig, dass es nur eine hinreichende Antwort geben konnte: Altruismus. „Elvis”, wie die steinzeitliche Knochenanhäufung in Anlehnung an einen unvergleichlich die Hüften schwingenden Rhythmenkönig genannt wurde, musste von den anderen durchgefüttert worden sein, ansonsten hätte er nie dieses Alter erreicht.

All dieses Altruismusgehabe erklärte man vorerst einmal mit dem Zusammenhalt unter Verwandten. In der grauen Steinzeit mag das auch so gewesen sein, doch wie erklärt man einem heute, weshalb man gerade der alten Frau über die Straße geholfen habe? Und weshalb die Freiwillige Feuerwehr? Hier lässt einen die Wissenschaft im dunklen Meer der Erklärungen treiben. „Eine evolutionäre Fehlanpassung” sagen manche, „Pflichtbewusstsein und Ehre” möchten andere darin erkennen - und das macht weitere Erklärungen hinfällig.

Am Haar sollt ihr ihn erkennen

Einer Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „New Scientist” zufolge, sagte die Haarpracht des Urmenschen viel über seinen Sozialstatus aus. Denn wer eine gepflegte Mähne sein Eigen nennen konnte, gab Anderen zu erkennen, dass er über vielfältige Sozialkontakte verfügte – die als Ihm-Untergeordnete für die Pflege der Matte verantwortlich zeichneten. Entlausung inklusive. Wer es sich vom sozialen Status leisten konnte, unterhielt also seinen eigenen Friseur-Trupp. Selbst die berühmte Venus von Willendorf ließ mit ihrem kunstvoll arrangierten Haar aufhorchen. Gepflegtes Haar zählte als Statussymbol und das bis heute oftmals gezeichnete Bild des verfilzt behaarten Urzeitmenschen galt keineswegs als Idealform.

Diese Theorie scheint nicht weit hergeholt zu sein, denn auch heute definiert sich der moderne Mensch durch seinen Haarschnitt und berufliche Positionen auf einem höheren Level lassen den Wildwuchs schon mal gar nicht zu.

Doch neben dem wallenden Hippie-Haar zählten auch weitaus martialischere Komponenten zum Aufbau eines sozialen Überstatus. Diverse Ausgrabungsfunde lassen darauf schließen, dass die Länge der Waffen ebenfalls über die persönliche Rangordnung Aufschluss geben kann. Klingen aus kostbarem, seltenem Gestein erreichten Längen bis zu 40 Zentimetern. Zum Jagen zu groß, als Werkzeug zu unhandlich - wozu also? Was sich den Forschern zunächst als Mysterium erwies, konnte schließlich nur mit einer plausiblen Theorie erklärt werden: Prestige! Im Showing-Off-Prozess mussten Handlichkeit und Funktionalität zugunsten einer hochstapelnden Symbolik weichen. Zeigt her eure Klingen!

Sprechen ohne Worte - Der Ursprung der Kommunikation war nonverbal

Nicht nur Hunde machen es - auch der Mensch kennt es zur Genüge: nonverbales Kommunizieren vor dem ersten gesprochenen Wort. Eine Begegnung mit Fremden startet mit einem „Beschnuppern”, erst dann folgen Worte. Körperhaltung, die Geschwindigkeit beim Entgegengehen, Augenkontakt, Geruch und Händedruck können aufmerksamen Menschen schon mehr preisgeben als dem Anderen lieb ist. Ohne sich jetzt in mathematischen Berechnungen zu verlieren, aber es existieren sogar zentimetergenaue Einteilungen menschlicher Distanzzonen. Die Daten sind jedoch aus auf der Hand liegenden Gründen mit Vorsicht zu genießen. Was allerdings als gesichert gilt: kulturelle Unterschiede erzeugen auch quantitative Unterschiede.

Eine besondere Art der nonverbalen Kommunikation wurde heutzutage zum Grundstein unserer Leistungsgesellschaft - das so genannte Impression Management. Der moderne Mensch ist in der Lage, selber zu regeln, welchen Eindruck er auf andere macht. Der US-Soziologe Erving Goffmann ging sogar so weit, zu sagen, dass alle Menschen ständig Theater spielen. Kleidung, Stimme, Statussymbole - all das fließt in die strategische Präsentation des eigenen „Selbst” ein und bildet einen Grundstein - etwa im Job-Bewerbungsverfahren.

Während unsere Vorfahren in der Urzeit also auf Gesten und Mimik zurückgriffen, einfach weil ihnen die Worte gefehlt haben, verwenden wir die wortlose Kommunikation als ein hochkomplexes System strategischer Selbstvermarktung.

Das Werkzeug der Steinzeit hat bis heute nicht an Macht verloren. Und auch der aus dem modernen zwischenmenschlichen Umgang nicht mehr wegzudenkende Begriff „Socialising” macht dann ebenfalls klar, wie wichtig es ist, sozialen Rückhalt zu haben.

Die Muster bleiben die gleichen - ob in Fellhosen oder im Designer-Anzug.


Autor: Mag. Oliver Rapouch


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